Wenn selbst für Freundschaften keine Zeit bleibt: Über Mental Load, schlechtes Gewissen und das Leben als Mutter

Wir haben Millie&Me gegründet, weil wir wissen, wie herausfordernd das Leben als Mutter sein kann. Und manchmal holt uns genau dieser Alltag selbst ein. Ein persönlicher Einblick unserer Mitgründerin Larissa Gräff in Freundschaften, Mental Load und die Frage, warum wir uns so schwer damit tun, nicht immer alles schaffen zu müssen.

Es ist Mittwoch. Ich habe gerade die Kinder abgeholt. Ich stehe in der Küche und bereite das Abendessen vor, obwohl es erst 15:30 Uhr ist.

Und gleichzeitig denke ich darüber nach, ob es das wohl mit Millie&Me war.

Es ist ein Tag wie jeder andere. Ich springe von einem Termin zum nächsten. Mein Gesundheitstracker hat mir heute Morgen gesagt, dass ich nicht besonders tief geschlafen habe und wenig ausgeruht bin. Ich kann mir denken, warum. Ich saß gestern Abend noch lange am Laptop und habe gearbeitet.

Eigentlich wollte ich mich mit Verena und Madeleine treffen. Aber unsere Kalender machen es uns gerade nicht einfach.

Neue Jobs, Kinder, Alltag, neue Projekte. Wenn ein Termin abends um 20 Uhr die einzige Möglichkeit ist, führt das eben manchmal dazu, dass eine von uns sagt: „Tut mir leid, ich habe keine Kapazitäten mehr.“

Gestern war ich das.

Wenn der Alltag alles bestimmt – sogar unsere Freundschaften

Wir alle kennen diese Tage, an denen wir morgens aufstehen, die Kinder fertig machen, zur Arbeit springen, die Kinder wieder abholen und irgendwann schon wieder ins Bett bringen.

Dazwischen liegen Einkäufe, Nachrichten, Wäscheberge, Termine, Geburtstage, Arztbesuche und die vielen kleinen Dinge, an die irgendjemand denken muss. Immerhin sind gerade Ferien und es stehen keine zusätzlichen Termine an …

Und trotzdem sitze ich abends mit einem schlechten Gewissen auf der Couch.

Weil ich wieder etwas abgesagt habe. Weil ich wieder nicht alles geschafft habe. Weil ich Menschen vertröste, die mir wichtig sind.

Und dabei frage ich mich: Wann ist es eigentlich so schwierig geworden, Zeit füreinander zu finden?

Freundschaften unter Müttern scheitern selten daran, dass wir uns nicht mehr mögen. Manchmal fehlt schlicht die Zeit. Oder die Energie. Oder beides.

Wir schreiben uns, dass wir uns unbedingt wiedersehen müssen. Wir suchen nach Terminen, verschieben Treffen und versprechen uns, dass es nächsten Monat bestimmt besser wird.

Und irgendwann merken wir, dass wieder Wochen vergangen sind.

Mental Load hört nicht auf, nur weil der Tag vorbei ist

Wenn wir über Mental Load bei Müttern sprechen, denken wir oft an die Organisation des Familienalltags. An all die unsichtbaren Aufgaben, die neben Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt erledigt werden müssen.

Aber ich glaube, Mental Load reicht noch viel weiter.

Es ist auch das Gefühl, an alles und jeden denken zu müssen. Niemanden enttäuschen zu wollen. Eine gute Mutter, Partnerin, Freundin, Kollegin und vielleicht auch noch Unternehmerin sein zu wollen.

Es ist der Gedanke, dass wir uns eigentlich mal wieder melden müssten. Dass wir einen Geburtstag vergessen haben. Dass wir einer Freundin schon seit drei Tagen antworten wollen.

Und manchmal wird sogar etwas, das uns eigentlich Kraft geben sollte, zu einer weiteren Aufgabe auf unserer gedanklichen To-do-Liste.

Dabei brauchen wir Freundschaften doch gerade dann besonders, wenn der Alltag uns über den Kopf wächst.

Wir haben Millie&Me gegründet, damit Mütter nicht alles alleine schaffen müssen

Haben wir nicht genau dafür Millie&Me gegründet?

Um Müttern die Sicherheit zu geben, dass immer jemand da ist? Dass sie mit ihren Fragen, Herausforderungen und Gedanken nicht alleine sind?

Dass es einen Ort gibt, an dem sie nicht funktionieren müssen?

Und jetzt schaffen wir es selbst nicht, immer da zu sein. Weil unsere Kalender, unser Alltag und unser Leben uns immer wieder Steine in den Weg legen.

Eigentlich zeigt unsere Zusammenarbeit gerade ziemlich deutlich, womit wir Mütter auch in unseren Freundschaften zu kämpfen haben.

Der Alltag rennt uns davon und gleichzeitig versuchen wir, alle Fäden in der Hand zu behalten. Mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Und während ich mir eigentlich auf die Schulter klopfen sollte, weil ich gestern eine Grenze gesetzt und gesagt habe, dass ich keine Kapazitäten mehr habe, bleibt dieses schlechte Gewissen.

Warum fällt es uns so schwer, Nein zu sagen – ohne schlechtes Gewissen?

Ich weiß, dass es richtig war, das Treffen abzusagen.

Ich war müde. Mein Tag war voll. Ich hatte schlicht keine Energie mehr für einen weiteren Termin.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, jemanden im Stich gelassen zu haben.

Vielleicht kennst du das auch.

Du sagst eine Verabredung ab, weil du einfach nur auf die Couch möchtest. Du beantwortest eine Nachricht nicht sofort. Du entscheidest dich gegen einen Termin, obwohl du eigentlich gerne dabei gewesen wärst. Und statt die freie Zeit zu genießen, beschäftigt dich die Frage, ob du gerade eine schlechte Freundin bist.

Dabei ist eine Grenze kein Zeichen dafür, dass uns etwas oder jemand nicht wichtig ist.

Manchmal bedeutet sie einfach nur, dass unsere eigenen Ressourcen gerade aufgebraucht sind.

Das klingt so selbstverständlich. Und ist im echten Leben manchmal unglaublich schwer.

Freundschaft bedeutet auch, einander nicht immer gerecht werden zu müssen

Madeleine und Verena sind so viel mehr als Geschäftspartnerinnen.

Wir kämpfen gemeinsam für etwas, das uns unglaublich wichtig ist. Wir nehmen uns Zeit, die wir eigentlich nicht haben. Wir investieren Geld, bleiben dran, netzwerken, entwickeln Ideen und geben so viel von uns.

Weil wir daran glauben, dass Mütter einen Ort brauchen, an dem sie sagen dürfen, dass gerade alles zu viel ist.

Ohne schlechtes Gewissen. Ohne sich rechtfertigen zu müssen. Und ausgerechnet wir tun uns manchmal schwer damit, uns selbst genau das zuzugestehen.

Vielleicht liegt darin aber auch etwas Wertvolles.
Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn der Alltag zu viel wird. Wir wissen, wie schwierig es ist, Freundschaften zu pflegen, wenn Kinder, Beruf und Familie ständig Aufmerksamkeit brauchen.
Und wir wissen, dass gute Beziehungen nicht daran gemessen werden sollten, wie häufig wir uns sehen oder wie schnell wir auf Nachrichten antworten.

Vielleicht brauchen wir manchmal einfach die Gewissheit, dass jemand noch da ist. Auch wenn wir uns gerade nicht regelmäßig sehen. Dass wir uns gegenseitig verstehen, statt uns Vorwürfe zu machen.

Vielleicht müssen wir nicht immer alles schaffen

Ich merke beim Schreiben, dass ich mir selbst gerade etwas sagen muss, das ich anderen Müttern wahrscheinlich sofort sagen würde: Du musst nicht immer alles schaffen.

Du darfst müde sein. Du darfst Termine absagen. Du darfst Prioritäten verändern. Und du darfst Dinge, die dir unglaublich wichtig sind, auch einmal liegen lassen.

Nicht, weil sie unwichtig geworden sind. Sondern weil du nicht unendlich viel Energie hast.

Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserer gemeinsamen Arbeit an Millie&Me.

Wir können uns noch so sehr für andere Mütter einsetzen. Wir bleiben selbst Mütter mit einem Alltag, der nicht immer so funktioniert, wie wir ihn gerne hätten.

Und vielleicht müssen wir genau das nicht verstecken.

Und was bedeutet das jetzt für Millie&Me?

Ja, gerade ist es ruhig um Millie&Me. Ruhiger, als wir es uns wünschen.

Wir haben Ideen, Pläne und so viele Themen, über die wir mit euch sprechen möchten. Aber manchmal reicht es eben nicht, etwas unbedingt zu wollen. Man braucht auch die Zeit und Energie dafür.

Wir glauben weiterhin daran, dass Mütter Gemeinschaft brauchen. Dass es wichtig ist, über die Themen zu sprechen, die im Alltag häufig zu kurz kommen. Und dass wir Räume brauchen, in denen wir ehrlich sein können. Auch darüber, dass manchmal einfach alles zu viel ist.

Wir werden wieder mehr für euch da sein. Vielleicht nicht immer so schnell oder so regelmäßig, wie wir es gerne hätten. Aber mit genauso viel Überzeugung wie am ersten Tag.

Weil uns Millie&Me wichtig ist. Und weil wir wissen, warum wir angefangen haben.

Vielleicht ist das heute also gar kein Beitrag darüber, warum wir gerade so wenig schaffen. Sondern darüber, warum wir uns als Mütter gegenseitig so dringend brauchen.

Danke für eure Geduld. ❤️

Eure Larissa

Weiter
Weiter

Warum Sommerferien mit Kindern oft gar keine Ferien für Mütter sind